Informatik neu denken – Warum Dr.-Ing. Lea Schönberger Frauen in Technik sichtbar macht
Frauen und Informatik: Ein historischer Widerspruch
Was viele überrascht: Programmieren war ursprünglich eine weibliche Domäne. Erst als Informatik zu einem Macht- und Wirtschaftsfaktor wurde, verschwanden Frauen zunehmend aus dem Feld. Heute liegt der Frauenanteil im klassischen Informatikstudium in Deutschland bei unter 20 Prozent – ein strukturelles Problem, das sich bis in die Tech-Branche, Forschung und KI-Entwicklung fortsetzt.
Wissenschaftskommunikation als Bildungsarbeit
Nach ihrer Promotion entschied sich Lea bewusst gegen eine klassische Wissenschaftskarriere und für die Selbstständigkeit als Wissenschaftskommunikatorin. Ihr Ziel:
komplexe technische und digitale Themen verständlich, niedrigschwellig und kritisch zu vermitteln – insbesondere für Frauen.
Zu ihrem Arbeitsfeld gehören:
- Vorträge und Moderationen
- Workshops zu KI-Kompetenz, Informatik & Digitalisierung
- Fortbildungen an Hochschulen
- Journalistische Beiträge zu Tech- und Gleichstellungsthemen
Dabei verbindet sie Fachwissen mit Bildungsarbeit und gesellschaftlicher Verantwortung.
KI, Gender Data Gap und unsichtbare Ungleichheiten
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist der sogenannte Gender Data Gap:
Daten über Frauen fehlen in vielen Bereichen – von Medizin über Verkehrssicherheit bis hin zu KI-Systemen. Diese Lücken führen dazu, dass Algorithmen bestehende Ungleichheiten nicht nur reproduzieren, sondern verstärken.
Lea Schönberger erklärt eindrücklich:
- warum KI nie „neutral“ ist
- wie Datenbias entsteht
- weshalb homogene Entwicklerteams problematisch sind
- und warum technologische Bildung eine Frage von Gerechtigkeit ist
Gerade bei Hochrisiko-Anwendungen wie Kreditvergabe, Jobportalen oder medizinischen Systemen zeigt sich, wie real die Auswirkungen sind.
Warum klassisches „Female Empowerment“ zu kurz greift
Dem Begriff Female Empowerment steht Lea Schönberger hingegen kritisch gegenüber – nicht, weil sie Empowerment ablehnt, sondern weil es oft am Kern vorbeigeht. Ihr Credo: „Change the system, not the women.“
Wenn Frauen ständig hören, sie müssten sich nur mehr zutrauen, verschiebt sich die Verantwortung weg von diskriminierenden Strukturen. Das kann sogar zum sogenannten Stereotype Threat führen – einer selbsterfüllenden Prophezeiung, die Leistung hemmt. Stattdessen plädiert sie für strukturelle Veränderungen, echte Vorbilder (Role Models)und die Sichtbarkeit von Informatikerinnen – historisch und heute.
Digitale Bildung statt Technikangst
In ihren Workshops erlebt Lea immer wieder große Unsicherheit – gerade bei Frauen. Ihr Ansatz: Wissen nimmt Angst. Deshalb sind ihr verständliche Erklärungen im Rahmen von informatischer Grundbildung besonders wichtig. Auch die Reflexion der Verwendung von KI findet Platz in ihren Angeboten. Denn: Wer digitale Systeme nutzt, sollte zumindest verstehen, wie sie funktionieren und welche Folgen ihr Einsatz haben kann.
Fazit: Informatik ist Bildungsarbeit – und eine Gestaltungsfrage
Lea Schönberger zeigt eindrucksvoll, dass Informatik weit mehr ist als Code. Es geht um Macht, Teilhabe, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Verantwortung. Mit ihrem Podcast, ihrer Bildungsarbeit und ihrer klaren Haltung leistet sie einen wichtigen Beitrag dazu, Technik neu zu denken – inklusiver, gerechter und menschlicher.